
AMCHA Stiftung Deutschland
Seit 1995 leistet die AMCHA-Stiftung finanzielle Hilfe an AMCHA-Israel, die psychosoziale Arbeit für Holocaust-Überlebende anbietet.

Zweck der AMCHA-Stiftung Deutschland ist es, in Zusammenarbeit mit dem National Israeli Center for Psychological Support of Survivors of the Holocaust – AMCHA Israel – Hilfe für die psychosoziale Unterstützung von Menschen anzubieten, die den Holocaust als Erwachsene oder als Kinder überlebt haben. Die Hilfe soll durch finanzielle Zuwendungen an AMCHA Israel geleistet werden.
Nach einer Erhebung der Claims Conference leben weltweit noch 245.000 Menschen, die den Holocaust als Erwachsene oder als Kinder überlebt haben. Fast die Hälfte von ihnen, 119.300, leben heute in Israel (Stand August 2023). Dazu kommt eine bedeutende Anzahl von Angehörigen der 2. Generation mit einer oder einem oder zwei Überlebenden als Elternteil und noch weitaus mehr Angehörige der 3. Generation, bei welchen zwischen einem und vier Großelternteile den Holocaust überlebt haben.
Viele dieser Menschen benötigen heute besondere psychische und psychosoziale Unterstützung, die von den existierenden staatlichen Institutionen nicht allein geleistet werden kann. Seit 1987 steht AMCHA Israel hilfesuchenden Holocaust-Überlebenden und ihren Familienangehörigen beim Umgang mit ihren Traumata zur Seite.
Menschen, die durch die Verbrechen des Holocaust traumatisiert wurden, sind ihr Leben lang von psychischen und sozialen Beeinträchtigungen betroffen. Auch im hohen Alter kann das Erlebte die Lebensqualität erheblich einschränken. Durch die sogenannte transgenerationale Weitergabe können elterliche Erfahrungen auch auf Mitglieder der nachfolgenden Generation übertragen werden. Die Symptomatik ist dabei in vielen Fällen ähnlich.
Mitglieder in Socialclubs
Angebote
(in Stunden)
1. Generation und Child Survivors
Klient:innen insgesamt
Die Zahl derjenigen, die sich an AMCHA Israel wenden, ist bis 2017 stetig gestiegen, denn die traumatischen Ereignisse, die die meisten heutigen Klient:innen im Kindesalter erlebten, sind am Lebensende häufig besonders präsent. AMCHA sammelt spezielle professionelle Erfahrung und Expertise in der psychosozialen Betreuung und Behandlung von Holocaust-Überlebenden und versucht mit verschiedenen Angeboten ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Überlebenden verstanden und aufgehoben fühlen.
In einem sicheren Umfeld kann durch gegenseitige Hilfe, bewusste Erinnerungsarbeit und Schmerz- bewältigung mit der Vergangenheit umgegangen werden. Das Hilfsangebot umfasst ein differenziertes und auf die einzelnen Betroffenen angepasstes Angebot an Therapie, Beratung und Betreuung. In den Zentren gibt es die sogenannten Socialclubs, die das therapeutische Angebot ergänzen und eine gemeinschaftliche Tagesgestaltung ermöglichen. Die Überlebenden treffen hier Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Sie werden in der Gruppe von professionellen Therapeut:innen und Sozialarbeiter:innen begleitet. Viele der hochbetagten und teils einsamen Klient:innen verbringen ihre gesamte Tagesfreizeit in einem der 15 Zentren. Für sie ist AMCHA zu einem zweiten Zuhause geworden.
In Deutschland informiert die AMCHA-Stiftung durch öffentliche Veranstaltungen, die der Erforschung der Spätschäden des Holocaust und der Verbreitung der darüber gewonnenen Erkenntnisse dienen. Durch Vorträge und Publikationen wird über die Tätigkeit des National Israeli Center for Psychological Support of Survivors of the Holocaust AMCHA informiert und für dessen Untestützung geworben.
Der Vorläufer der AMCHA-Stiftung Deutschland wurde im Mai 1990 als „AMCHA-Stiftung in der DDR e.V.“ gegründet. Im Zuge der Neuordnung der Beziehungen der noch existierenden DDR zu Israel wurden der Organisation 6,1 Millionen DM zugesprochen. Das Stiftungsrecht war in der DDR Ende der 60er Jahre abgeschafft worden, die Gründung eines Vereins 1990 aber möglich. Nach der Wiedervereinigung konnte dieses Konstrukt nicht aufrechterhalten werden und es folgte eine Trennung in die AMCHA-Stiftung Deutschland und den Verein AMCHA Deutschland. AMCHA Deutschland e.V. wurde zum Stifter der AMCHA-Stiftung Deutschland. Die Gründung von AMCHA Deutschland e.V. (1990) und die Anerkennung der AMCHA-Stiftung Deutschland (1995) fanden nicht zeitgleich statt.
AMCHA Israel ist eine 1987 von Manfred Klafter in Jerusalem gegründete jüdische Selbsthilfe-Organisation, die inzwischen als gemeinnützige Organisation anerkannt ist. AMCHA Israel unterstützt Überlebende des Holocaust und ihre Familien in der Bearbeitung ihrer oft schweren Traumata. 2022 wurden an 15 Zentren in Israel von über 500 Therapeut:innen, Sozialarbeiter:innen und um die 600 Volontär:innen 12.542 Menschen betreut. AMCHAs Vision ist es, das Leid der Holocaustüberlebenden zu mildern.
AMCHA Deutschland e.V. sammelt Spenden und anderweitige finanzielle Mittel wie vom Auswärtigen Amt, die als Dotation an AMCHA Israel gehen. Praktische Arbeit wird im HAKARA-Projekt geleistet, das beispielsweise Workshops über die transgenerationale Weitergabe von Traumata anbietet.
Stiftungsvorstand
& Stiftungskuratorium
Der ehrenamtliche Vorstand überweist jährlich die Dotationen nach Israel und verantwortet den Jahresbericht, der dem Kuratorium vorgelegt wird.
Stiftungsvorstand

Matthias Gülzow
Vorsitzender, Geschäftsführer Ev. Presseverband Norddeutschland GmbH

Susanne Krause-Hinrichs
Stellvertretende Vorsitzende, Geschäftsführerin Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung

Daniel Schüle
Schatzmeister, Geschäftsführer Deutsche Verkehrswacht
Stiftungskuratorium

Christian Staffa
Vorsitzender, Studienleiter Evangelische Akademie Berlin-Brandenburg, ehemaliger Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Stephan J. Kramer
Stellvertretender Vorsitzender, ehem. Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Präsident des Amtes für Verfassungsschutz Thüringen

Hans Ulrich Anke
Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland

Georg Cremer
ehem. Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes

Reinhold Robbe
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages a. D., ehemaliger Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Martin Auerbach
ehem. klinischer Leiter AMCHA Israel (2007-2024)